Selbst-Disziplin (Steve Pavlina - Fünf Säulen der Selbstdisziplin)


Ich arbeite schon einige Zeit an einer Artikelserie über Selbst-Diziplin, aber sie ist noch nicht fertiggestellt, deswegen gibt es erstmal meine Übersetzung von einer Artikelserie, die Steve Pavlina zu diesem Thema geschrieben hat. Ich finde sie ist sehr gut gelungen und bietet für viele Besucher hier sicher einen Nutzen.
Hier ist der englische Artikel von Steve Pavlina -Self-Discipline.
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Die fünf Säulen der Selbstdisziplin

Die fünf Säulen der Selbstdisziplin sind: Akzeptanz, Willenskraft, harte Arbeit, Fleiß und Durchhaltevermögen. Wenn man im Englischen die ersten Buchstaben der Wörter nimmt, ( Acceptance, Willpower, Hard Work, Industry, Persistence.) bekommt man das Akronym: »A WHIP« (eine Peitsche) - eine gute Methode sie sich zu merken, denn viele Menschen verbinden Selbstdisziplin damit, sich mit einer Peitsche in Form zu bringen.

In jedem Artikel dieser Serie wird eine andere Säule behandelt. Und es wird erklärt, warum es so wichtig ist, dass und wie man Selbstdisziplin entwickelt. Als erstes gibt es eine allgemeine Übersicht...

Was ist Selbstdisziplin?

Selbstdisziplin ist die Fähigkeit sich selbst dazu zu bringen etwas zu tun, egal wie man sich fühlt.

Überlege einmal, was Du erreichen könntest, wenn du Dich einfach dazu bringen könntest, deinen besten Vorsätzen zu folgen, egal was passiert. Stell Dir vor Du sagst zu deinem Körper: »Du hast Übergewicht, verliere 10 Kilo.« Ohne Selbstdisziplin wird dieser Vorsatz nicht realisiert. Aber mit ausreichend Selbstdisziplin ist es so gut wie erledigt. Die Spitze der Selbstdisziplin ist, wenn Du einen Punkt erreichst, an dem du eine Entscheidung triffst und es praktisch garantiert ist, dass Du durchhalten wirst.

Selbstdisziplin ist eines von vielen Werkzeugen in der Persönlichkeitsentwicklung. Es ist natürlich kein Allheilmittel. Aber viele wichtige Probleme lassen sich durch Selbstdisziplin lösen, auch wenn es andere Wege gibt, diese Schwierigkeiten zu lösen, werden sie von Selbstdisziplin komplett beseitig. Selbstdisziplin kann Dir die Kraft geben, jede Sucht zu überwinden oder jedes beliebige Gewicht zu verlieren. Es kann Prokrastination, Unordnung und Ignoranz beseitigen. Innerhalb der Angelegenheiten, die durch Selbstdisziplin zu lösen sind, gibt es nicht Besseres. Darüber hinaus kann sie gut mit anderen Instrumenten wie Leidenschaft, Goal-Setting und Planung kombiniert werden.

Selbstdisziplin aufbauen.

Meine Philosophie wie man Selbstdisziplin aufbaut, ist am besten mit einer Analogie zu erklären. Selbstdisziplin ist wie ein Muskel. Je mehr Du ihn trainierst, desto stärker wirst Du. Je weniger Du trainierst, desto schwächer.

So wie alle Menschen unterschiedlich ausgeprägte Muskeln haben, so besitzt auch jeder eine anders ausgeprägte Selbstdisziplin. Jeder hat ein bisschen. Wenn Du deinen Atem für ein paar Sekunden anhalten kannst, verfügst du über etwas Selbstdisziplin. Aber nicht jeder hat seine Selbstdisziplin in gleichem Maße entwickelt.

Genauso wie man Muskeln benötigt um weitere Muskeln aufzubauen, so benötigt man Selbstdisziplin um Selbstdisziplin weiter zu entwickeln.

Das funktioniert genauso wie beim Muskelaufbau. Man hebt immer Gewichte, die nahe am persönlichen Limit sind. Man bleibt aber innerhalb der eigenen Fähigkeiten, nicht zu leicht und nicht zu schwer. Damit treibt man die Muskeln soweit, bis sie versagen, dann ruht man sich aus.

Ähnlich ist die Standardmethode für Selbstdisziplin. Man nimmt Herausforderungen in Angriff, die man noch schaffen kann, die aber nahe am Limit sind. Das bedeutet nicht, dass man etwas zu Schwieriges immer wieder versucht und Mal für Mal scheitert.
Es heißt auch nicht, dass man innerhalb der Komfortzone bleibt. Man wird nicht stärker, wenn man versucht ein Gewicht zu heben, was zu schwer ist und auch nicht, wenn man ein viel zu leichtes Gewicht nimmt. Man muss mit Gewichten/Herausforderungen anfangen, die innerhalb der eigenen Fähigkeiten liegen, aber dicht am Limit.

Progressives Training bedeutet, sobald man es einmal schafft, das nächste mal die Schwierigkeit erhöht. Wenn Du immer mit den gleichen Gewichten trainiertest, würdest Du nicht stärker werden. Es ist genauso, wenn Du Dich im Leben nicht herausforderst, deine Selbstdisziplin kann, sich als Folge nicht weiterentwickeln.

So wie die meisten Menschen sehr schwache Muskeln haben, im Vergleich zu dem, wie stark sie sein könnten, so verfügt die Mehrheit über eine völlig unentwickelte Selbstdisziplin.

Beim Bestreben Selbstdisziplin zu entwickeln wäre es ein Fehler zu übertreiben. Wenn Du versuchst, dein Leben über Nacht zu ändern und duzende Ziele setzt und davon ausgehst diese nun strikt zu verfolgen, dann ist das sicher zum Scheitern verurteilt. Das ist das gleiche, als wenn jemand das erste mal ins Fitnessstudio geht und sich 150kg auflegt, man sieht nur lächerlich aus.

Wenn Du nur 5kg heben kann, dann kannst Du eben nur 10kg heben. Es ist keine Schande dort anzufangen, wo Du stehst. Ich erinnere mich, als ich vor einigen Jahren begann mit einem persönlichen Trainer zu arbeiten. Bei meinem ersten Versuch konnte ich beim Schulterdrücken nur eine 3,5-kg-Hantelstange ohne Gewichte hochziehen. Meine Schultern waren schwach, weil ich sie nie trainiert habe. Aber nach ein paar Monaten waren es 30kg.

Wenn Du undiszipliniert bis, ist es ähnlich, Du kannst nur die Selbstdisziplin nutzen, die Du schon besitzt, um mehr zu bekommen. Je disziplinierter Du wirst, desto einfacher wird dein Leben. Herausforderungen, die einst unmöglich für Dich erschienen, werden, ein Kinderspiel sein. Wenn Du stärker wirst, werden die gleichen Gewichte immer leichter und leichter erscheinen.

Vergleiche Dich nicht mit anderen Menschen, das wird nicht helfen. Du wirst nur finden, was Du erwartest. Wenn Du denkst, dass du schwach bist, dann wird jeder andere stark erscheinen. Denkst Du du bist stark, dann wird jeder anderes schwach erscheinen. Es ergibt keinen Sinn, das zu tun. Betrachte nur, wo Du heute stehst, und setze Dir zum Ziel besser zu werden.

Lass uns ein Beispiel betrachten.  

Nehmen wir an, Du willst die Fähigkeit erhalten acht Stunden am Tag zu arbeiten, ohne Dich ablenken zu lassen, weil Du weist, dass das einen Vorteil in deiner Karriere bringen wird. Heute Morgen habe ich in einem Audio Programm eine Studie gehört, nach der ein normaler Büroarbeiter 37% seiner Zeit mit sozialen Kontakten verbringt, ohne zu arbeiten. Darüber hinaus kommen noch andere Laster die mehr als 50% der Arbeitszeit ausmachen, in der auch nicht gearbeitet wird. Es ist also Raum für Verbesserungen.

Wenn Du beginnst, versuchst Du vielleicht volle acht Stunden durchzuarbeiten, ohne Dich ablenken zu lassen. Du schaffst es ein Mal. Am nächsten Tag scheiterst Du kläglich. Das ist ok, du hast eine Wiederholung mit 8 Stunden geschafft. Zwei Wiederholungen sind zu viel für Dich. Also nimm Dich ein wenig zurück. Wie lange könntest Du am Stück arbeiten, um fünf Tage/Wiederholungen zu schaffen? (Also eine Arbeitswoche.) Wärst Du in der Lage eine Stunde konzentriert zu arbeiten, fünf Tage hintereinander? Wenn Du das nicht tun kannst, nimm 30 Minuten, oder was für Dich geeignet ist. Wenn Du das schaffst, oder es sich zu leicht anfühlt, dann erhöhe die Herausforderung.

Wenn Du eine Woche auf einem Niveau geschafft hast, mache die nächste Woche ein wenig mehr. Mache mit diesem progressiven Training weiter, bis Du dein Ziel erreichst.


Auch wenn Analogien nie perfekt sind, so hat mich diese weit gebracht. Die Latte jede Woche nur ein wenig höher anzulegen ermöglicht es, in den eigenen Möglichkeiten zu bleiben und immer ein wenig besser zu werden. Einen Unterschied zum Muskeltraining gibt es aber, wenn man Gewichte hebt, zählt die tatsächliche Arbeit die man macht nichts. Es liegt kein Vorteil darin ein Gewicht hoch und runter zu heben- der Vorteil liegt darin, dass die Muskeln wachsen. Bei Selbstdisziplin jedoch hat man einen Vorteil durch die Arbeit, die man im Training gemacht hat. Damit ist das also noch besser. Es ist großartig, wenn durch das Training etwas Wertvolles geschaffen wird und es dich gleichzeitig leistungsfähiger macht.

In den nächsten Artikeln werden wir tiefer in die fünf Säulen der Selbstdisziplin eintauchen.

Dies ist der erste Teil einer sechsteiligen Serie.

Teil 2: Selbstdisziplin Erste Säule: Akzeptanz

Kommentare:

Lukas Röthlisberger hat gesagt…

Interessanter Artikel, tolle Gedanken und Anregungen, vielen Dank dafür. Den Vergleich mit dem Muskel finde ich super - man muss (und kann) alles trainieren.
Ich muss allerdings gestehen, dass das Wort "Selbstdisziplin" für mich nicht atraktiv klingt. Mist. Es klingt nach harter Arbeit,nach Militär oder Klosterzelle. Aber wahrscheinlich sind es nur meine Assoziationen - denn dass man voller Elan an etwas dranbleiben kann, finde ich toll! Liebe Grüsse, Lukas

Lino Coscia hat gesagt…

Ich denke das geht den meisten so. Selbstdisziplin hat immer so einen Geschmack nach Drill. Wörter wie Disziplinarmaßnahme unterstützen das noch. Aber man kann es ja auch Selbstbeherrschung nennen und dann fühlt es sich schon angenehmer an.