Stop Vermutungen anzustellen

Vermutungen anzustellen, ist ein großer Schwachpunkt in unserem Verhalten. Viel Leid entsteht durch sie und viele Streitigkeiten.

Wenn beispielsweise der Partner nicht zu der Zeit nach Hause kommt, zu der er kommen sollte, dann werden automatisch Vermutungen angestellt. »Was dauert da so lange? Der trifft sich doch mit seiner Arbeitskollegin.«, oder »Sie hat keinen Respekt vor mir, immer kommt ihre Arbeit und die anderen zuerst.« Wie oft kommt es dann vor, dass wir uns absolut geirrt haben. Dass irgendetwas dazwischen gekommen ist, das wichtig war. Das der andere wirklich nichts dafür konnte. Aber nun haben wir diese Emotionen von Enttäuschung und Wut aufgebaut und bekommen sie nicht sofort weg, und zusätzlich haben wir uns die ganze Zeit schon geärgert, als wir gewartet haben. Selbst wenn unsere Vermutung richtig ist, was hat es uns genutzt. Eine Konsequenz können wir auch dann noch ziehen, wenn wir wissen, was los war. Wir schaden uns nur selbst, indem wir diese Vermutungen anstellen.

Oder jemand redet nicht in einem angemessenen Ton zu uns. Wir wissen nicht, ob dieser Mensch vielleicht gerade eine persönliche Tragödie erlebt hat. Aber wir machen diese Vermutung und fühlen uns persönlich angegriffen. Oder wie oft sind wir von unserer Familie, von Freunden und dem Partner enttäuscht, weil etwas nicht erfüllt wurde, von dem wir angenommen haben, es sei eine Selbstverständlichkeit? War das böser Wille, des anderen? Oder Faulheit? In manchen Fällen vielleicht wirklich, aber oft ist es schlicht die Unwissenheit. Was uns so klar erscheint, dass ist für die anderen in vielen Fällen nicht so klar. Dass uns jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird, ist einfach nicht garantiert, und wenn es nicht passiert, dann dürfen wir uns nicht ärgern.

Solche Vermutungen können ein richtiges Eigenleben entwickeln, sie werden zu einer Realität für uns. Es kann passieren, dass wir eine Vermutung, als Beweis für eine neue Vermutung heranziehen.

Wir dürfen Informationsdefizite nicht durch Vermutungen ausfüllen. Diese Defizite können nur durch Kommunikation gefüllt werden. Wir können nachfragen, um herauszufinden, wie die Sachen wirklich stehen, was passiert ist, was der andere gedacht hat und denkt, was er fühlt und was er fürchtet, was er und was wir brauchen.

Etwas andere ist es, Schlüsse zu ziehen. In diesem Fall verbinden wir nur alle Informationen und kommen zu einem Gesamtergebnis. Hier gibt es kein Informationsdefizit, alle Informationen sind schon da. Kommunikation kann hier nichts Weiteres beitragen, sie kann nur dazu dienen zu überprüfen, dass wir nicht den falschen Schluss gezogen haben, obwohl wir alle Fakten kennen.

Mir selbst fällt es unglaublich schwer keine Vermutungen anzustellen. Es kommt mir so vor, als sei es unsere Natur das zu tun. Aber warum? Vermutungen haben nur einen Sinn, nämlich wenn wir nicht nachfragen können um Unklarheiten zu beseitigen. Aber wann ist das heutzutage noch der Fall? In den meisten Fällen haben wir keine schlimmen Konsequenzen zu fürchten. Trotzdem haben wir eine Angst davor, wirklich ehrlich zu sein. Wir trauen uns zum einen nicht zu fragen, bis es keine Zweifel mehr gibt. Auf der anderen Seite hüten wir uns selbst mit Informationen rauszurücken. Wir sagen viel zu selten, was wir wirklich wollen. Was uns stört und was wir brauchen. Mach Du nicht den Fehler die Vermutung anzustellen, dass der Andere weiß was Du willst und es trotzdem nicht tut. Wir müssen absolut klarstellen was uns wichtig ist. Wenn wir das nicht tun, dürfen wir uns auch nicht ärgern, wenn es nicht in Erfüllung geht und dann dürfen wir auch nicht auf das Schlechte in den Anderen schließen.

Dagegen kann es uns helfen zu erkennen, wenn wir jemandem wirklich egal sind. Wenn Du absolut klargestellt hast, was Du willst und es dann nicht bekommst, dann kannst du daraus Schlüsse ziehen und diese Schlüsse sollten auch zu Handlungen führen. Wir müssen aus dem Herumdümpeln herauskommen. Wir verlieren sehr viel Zeit mit Menschen, die andere Ansichten haben als wir und die andere Dinge für wichtig erachten. Wir müssen schnellstmöglich herausfinden, wenn jemand nicht zu uns passt. Wenn wir nun feststellen, dass diese Menschen unsere Bedürfnisse nicht erfüllen werden, nicht mehr weil sie es vielleicht nicht wissen, sondern, weil sie entscheiden es nicht zu tun. Von solchen Menschen müssen und können wir uns dann trennen. Erkenntnis gibt uns die Kraft dazu. Wenn wir wissen, dass jemand nicht zu uns passt und uns nicht in falschen Hoffungen verlieren, können wir uns damit leichter abfinden.

Das Informationsdefizit zu beseitigen, führt zu Klarheit. Wenn wir Klarheit haben, können wir bewusste Entscheidungen treffen.

Also:
Versuche keine Vermutungen anzustellen, über die du Dich ärgerst, versuche dagegen alle Information durch Kommunikation zu bekommen. Urteile nicht zu früh, ziehe alle Schlüsse erst, wenn es keine Zweifel mehr gibt.
Stelle anderen alle Informationen zur Verfügung, die sie brauchen, um Dich richtig zu behandeln und zu wissen, was dir wichtig ist, was Dich stört und was Du brauchst.

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