Eine Gewohnheit, die deine Produktivität verdoppeln kann.


Ein Konzept, welches ich seit ein paar Tagen befolge, ist, dass ich die schlimmsten oder auch anstrengendsten Aufgaben zuerst erledige. Natürlich müssen sie auch wichtig sein, aber von den Wichtigsten nehme ich die, die am meisten Energie erfordert. In den meisten Fällen ist das etwas, für das ich sehr viel Konzentration benötige. Diese Aufgaben sind in den meisten Fällen die entscheidenden Aufgaben mit dem größten nutzen für uns. Nach dem Paretoprinzip machen ja 20% der Aufgaben 80% des Erfolges aus. Nach diesen Aufgaben halten wir Ausschau.

Im Moment ist das bei mir einen juristischen Fall aus einem Klausurenkurs mit Lösung für Examenskandidaten zu lesen und meine zweit »schlimmste« Aufgabe ist dann ein Fall mit Lösung im Zivilrecht zu lesen. Dabei ist anzumerken, dass der gesamte Klausurenkurs nur 15 Fälle hat, die den kompletten Examensstoff abdecken. Gleichzeitig besuche ich noch die wöchentlichen AGs und die große Übung um StGB, in der ich dann die Klausuren schreibe. Ich mache also, mit nur diesem einen Fall, viel mehr als nötig wäre, um mit dem Stoff mitzuhalten. Nach knapp zwei Wochen habe ich den kompletten Stoff durch und kann tiefer in die Materie einsteigen, wiederholen und nachlesen, was noch nicht sitzt. Das alleine gibt ein sehr gutes Gefühl. Ich habe überlegt, wie viel kann ich täglich schaffen, ohne an irgendeinem Tag in Bedrängnis zu kommen. Ein Fall im StGB und einen im BGB zu machen, ist an jedem Tag möglich. Wenn ich das gemacht habe weiß, dass ich weit mehr als nötig gemacht habe. Mit dem Fall im Zivilrecht ist es sogar so, dass ich die Übung im Zivilrecht erst nächstes Semester besuche, aber schon jetzt dadurch den kompletten Stoff wiederhole. Es ist also eine Aufgabe, die in den zweiten Quadranten vom Eisenhower Prinzip gehört. Es ist wichtig, aber nicht dringlich. Diese Aufgaben sind der Schlüssel für langfristigen überdurchschnittlichen Erfolg.

Sobald sich Zeit ergibt, ist meine höchste Priorität diese Aufgabe zu erfüllen. Das kann schon vor der Uni am Morgen sein, oder auch erst am Abend. Jedenfalls fange ich nicht an irgendwelche anderen Tasks auf meinen To-do-Listen anzurühren, ehe ich diese beiden Sachen nicht erledigt habe.

Dadurch, dass ich mir ein tägliches Pensum gesetzt habe, das durch das ganze Semester durchläuft und ausreichend ist, um dem Stoff immer weit voraus zu sein, komme ich nie in ein Gefühl, dass ich mehr tun muss, weil ich hinterher hänge. Wenn ich meine Aufgaben erfüllt habe, dann kann ich meine Freizeit genießen und habe nicht das Gefühl eigentlich in dieser Zeit lernen zu müssen. Das alleine ist Gold wert, um eine gute work-recharge Balance zu haben. Der Stress im Hinterkopf, nicht genug getan zu haben, verhindert sonst, dass man sich richtig erholen kann. Und Erholung ist ganz besonders wichtig, wenn man einen hohen Leistungsanspruch an sich selbst hat und viel arbeitet. Nach dem Motto: »Work hard and play hard!.« Erhöht man die Intensität der Arbeit, so muss man zwingend auch die Erholung intensivieren, sonst erleidet man früher oder später ein Burnout.
Diese Vorgehensweise hat entscheidende Vorteile. Wenn man direkt am Morgen seine großen schwierigen Aufgaben erfüllt hat, dann profitiert man den ganzen Tag davon. Man hat sofort das Gefühl, dass sich der Tag schon gelohnt hat und nun, selbst wenn man gar nichts mehr schafft, erfolgreich war. Die Pflicht ist erfüllt, jetzt kommt nur noch die Kür. Das gibt Motivation für weitere Aufgaben und erfüllt uns den ganzen Tag mit einer tiefen Zufriedenheit..

Da unsere Willenskraft und Energie am Anfang der Arbeit am höchsten sind, dürfen wir sie nicht an unwichtigen Aufgaben verschwenden. Jeder kennt dieses Gefühl des Tatendranges, wenn man nach einer Erholungsphase an die Arbeit geht. Das müssen wir geschickt anstellen, um daraus den größten Nutzen zu ziehen. Denn nach kurzer Zeit ist dieser Tatendrang weg und unsere Willenskraft schwach geworden. Wenn wir nun eine Aufgabe erfüllt haben, die uns motiviert, weil sie anstrengend und wichtig war. Dann füllen wir dieses Defizit an Willenskraft und kurzeitiger Motivation, durch neue Motivation. Da alle weiteren Aufgaben leichter sind, als die schon erledigten, haben wir auch ein Gefühl von Sicherheit, dass wir sie bewältigen können. Denn wir haben ja sogar, die schwierigste Aufgabe bezwungen. Wir wissen auch, dass es nur besser wird und gegen Ende der Arbeitszeit warten vielleicht Aufgaben, die uns sogar Spaß machen. Das ist ein weiterer Motivationsfaktor. Wie Brian Tracy in seinem Buch "Eat That Frog!: 21 Great Ways to Stop Procrastinating and Get More Done in Less Time"sagt, wenn man am Morgen eine Kröte isst. Dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass das Schlimmste war, was am Tag passiert.

 Das ganze hört sich trivial an und klingt nach normalem Zeitmanagement, aber das ist es nicht. Gerade wenn man sich ganz im Sinne des Zeitmanagements eine To-Do-Liste macht, gerät man leicht in einen Modus die kleinen einfachen Aufgaben zuerst zu machen, damit man schon was zu Abhaken hat. Das ist absolut kontraproduktiv und sollte verhindert werden. Es ist also eine Ergänzung zum Zeitmanagement, die besagt, dass die anstrengendste Aufgaben mit hoher Priorität, zwingend! zuerst gemacht werden muss.

Dieses Konzept sollten Sieu unbedingt ausprobieren. Überlege Sie, welche Aufgabe besonders viel Nutzen bringt, aber auch viel Überwindung oder Energie benötigt. Setzen Sie alles daran diese Aufgabe unbedingt zu erledigen. Starten Sie nicht mit den einfachen Sachen in den Tag, sondern mit den härtesten. Das wird oft schwierig sein, aber es lohnt sich, die Zähne zusammen zu beißen und durchzuhalten. Mit der Zeit wird es eine Gewohnheit, sobald Sie merken welche unglaublichen Vorteile daraus erwachsen. Es wird sich eine Motivations-Spirale entwickeln, sowohl über den Tag hinweg, als auch darüber hinaus.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich besuche deinen Blog mittlerweile fast täglich und es ist ertaunlich wie viel ich dank deiner Beiträge dazugelernt habe. Ich danke dir vielmals für deine Arbeit und hoffe dir weiterhin viel Glück und Erfolg in deinem Leben!
MfG
Jonas