Kommentar zum Spiegel Artikel vom 16.06.2011

Einige haben vielleicht den Spiegel Artikel vom 16.06.2011 über polyphasischen Schlaf gelesen (Link). Viele sind wohl auch nur deshalb auf diesen Blog gekommen. Nun möchte ich aber ein paar Sachen zu dem Machwerk loswerden. Ich gehe einfach den Text durch und zitiere ein paar Stellen, gefolgt von einem Kommentar und am Ende einem Fazit.

Es ist ist anzumerken, dass meine Beurteilung nicht nur auf meiner Meinung beruht, sondern ich zwei weitere Personen, die beide längere Zeit polyphasisch geschlafen haben, gefragt habe und beide zu dem gleichen Schluss kamen.

Da hat sich also ein fudder.de Mitarbeiter an den Uberman gewagt und folgendes kam dabei raus:


"Ärzte sagen, dass man für die Umstellung bis zu drei Wochen braucht."

Welcher Arzt hat das denn gesagt? Da hat wohl jemand Claudio Stampi gelesen und gleich mal die Quelle verschwiegen. Oder etwa sogar meinen Blog? Ich will mal nichts unterstellen, aber man muss wissen, dass sich so gut wie kein Arzt bis jetzt in wissenschaftlicher Weise dem polyphasischen Schlaf gewidmet hat. Der einzige wäre Claudio Stampi und die Ärzte die damals Buckminster Fuller überwacht haben. Die sind nun alle nicht mehr, wen hat er also gefragt? Scheinbar haben es ja sogar mehrere gesagt. Eine herrschende Lehre in der Medizin, dass die Poly Adaption bis zu drei Wochen dauert, gibt es nicht.


"Ich wähle die harte Tour und gebe mir eine Woche bei laufendem Uni-Alltag."

Schon hier fängt der Text an lächerlich zu werden. Die Adaption dauert nunmal einige Zeit und da kann man auch mit Mühen und Wollen nichts dran ändern. Der Student entscheidet aber für sich, er brauche nur eine Woche und das ist Blödsinn.


"Und tatsächlich: Irgendwann ist der Schlafbeat in meinem Körper. Nach Tag drei hört die ständige Müdigkeit auf. Nach Tag Vier werde ich schon automatisch nach 20 Minuten wach."

Ich kann ja verstehen, dass er anfangs Einschlafschwierigkeiten hatte und bis hierhin mag das auch alles so passiert sein, aber dann nach Tag drei hört die Müdigkeit auf? Nach Tag vier wird er automatisch wach? Wohl ein geborener Übermensch oder jemand, der ab hier anfängt zu schwindeln. Das man auch schon in der ersten Woche bei zwei oder drei Naps von alleine aufwacht, kann passieren, hat aber mit Adaption noch nichts zu tun und klappt erst recht nicht bei jedem Nap.
Zu seiner Verteidigung muss man sagen, auf seinem Blog sagt er in einem Video, dass er noch nicht ganz angepasst ist. In dem Spiegel Artikel nimmt er es aber nicht so genau.


"Um 23 Uhr steht ein Nap an. Ich drücke meinem Kumpel Drösel mein Bier in die Hand, sage "Halt mal kurz" und ziehe die Schlafbrille über. Mitten im Tumult penne ich ein."

Dass jemand, der vollständig an den Uberman angepasst ist (3 Wochen+), auch bei Lautstärke einschlafen kann, entspricht der Realität. Aber dass jemand, der zuvor Alkohol! (Den Schlafkiller Nummer eins) getrunken hat und erst eine Woche Uberman schläft, das schaffen soll, ist absoluter Humbuk. Derzeit geht man davon aus, dass die entscheidene Schlafphase für den polyphasischen Schlaf der REM Schlaf ist. Genau auf diesen nimmt Alkohol einen sehr negativen Einfluss.

"In diesem Moment, als ich vom Augustinerplatz zurückkomme, merke ich erstmals, dass irgendwas nicht richtig sein kann. Erholung geht nicht in 20 Minuten. "

Geht schon, aber eben nicht, wenn man nicht wirklich polyphasisch schläft und erst recht nicht, wenn man sich besäuft.

"Das Wochenende verbringe ich komplett hinter meinem Schreibtisch, trotz perfektem Badesee-Wetter. Meine Freunde liegen ohne mich am Strand. Ich muss lernen. Muss arbeiten. Muss die To-Do-Liste abarbeiten."

An dieser Stelle merkt man, dass der Autor sich nicht gut mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Er vermittelt ein Bild, dass polyphasische Schläfer nicht mehr ohne Arbeit können und nur noch von und durch sie leben. Ich gehe davon aus, dass er sich die Unsrigen auch genau so vorstellt. Da hat er sich scheinbar den Teil mit der To-Do-Liste durchgelesen und wusste es nicht besser in den Text unterzubringen. Die To-Do-Liste dient natürlich nur für Fälle, wenn man nicht weiß was man tun kann und stellt keine sklavische Bindung dar.

Ich selbst verbringe die größte Zeit der Anpassung an der frischen Luft, gehe spazieren und entspanne in der Natur. Das hält einen wach und nicht etwa das Lernen von Vokablen wie der Herr Student es beschreibt.


"Der Schlafrhythmus macht das Ausgehen schwierig und alles Aktive unmöglich. Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen, als die Wachphasen mit Lernen zu füllen."

Ich denke das meiste habe ich bereits gesagt. In der Realität ist es vielmehr umgekehrt, Aktivitäten gut- Lernen schlecht; obwohl es natürlich auch geht, aber nunmal nicht besser als Aktivitäten an der frischen Luft.

"Der Uberman hat für mich nicht funktioniert. Ein Teufelskreis setzte ein: Sport, Ausgehen, Freunde treffen, all das konnte ich nicht machen, weil ich dafür zu müde war."

Seltsam, da war er zu müde und das obwohl er schon am fünften Tag seine Anpassung bewältigt hatte. So verstrickt man sich. Es ist richtig, dass Sport nicht so gut funktioniert, wenn man polyphasisch Schläft, aber das betrifft Leistungs- und Kraftsport.


In seinem Artikel bei fudder.de (Link) schreibt er dann noch folgendes:

"Die ersten drei Tage waren schrecklich. Mein Körper fühlte sich dumpf an, abgenutzt und fiebrig."

Die ersten drei Tage hab ich eigentlich immer als recht angenehm empfunden, erst danach ging es bergab. Komisch.


"Nichts, was Körper und Geist kaputt macht, lohnt den Aufwand um ECTS-Punkte, Sitzscheine, Hausarbeiten, Praktika und Überstundenboni."

Da hat der Mann recht, sowas sollte man bleiben lassen. Nur macht polyphasischer Schlaf den Körper und Geist nach derzeitigem Kenntnisstand eben nicht kaputt. Aber woher soll man wissen wie es sich anfühlt, wenn man es selbst nicht gemacht hat.


Fazit:

Meiner Meinung nach hat sich da jemand halbherzig an ein Projekt gewagt, dass eine Nummer zu groß für ihn war. Er ist wahrscheinlich nach ein paar Tagen gescheitert und wollte nun sein Geld aber trotzdem bekommen. Deshalb hat er sich den Rest ausgedacht und dabei schlecht recherchiert und sich dadurch entlarvt. So oder so wären zwei Wochen unter allen Umständen zu kurz um eine qualifizierte Meinung über polyphasischen Schlaf abgeben zu können, aber das sei mal dahingestellt.

Am Schluss kommt der Artikel zu einem allzu passenden Ende. Polyphasischer Schlaft funktioniert, ist aber Mist, man sollte bei dem normalen Schlaf bleiben, sonst geht Körper und Geist kaputt und man hat keine Freizeit mehr. Ja da sind alle glücklich und die Kinder können beruhigt schlafen. Inszenierung pur.


"Aber diese Leistung – das habe ich nun nach zwei Wochen ohne Erholung gemerkt – schmeckt nur noch dann, wenn man sie mit Entspannung in einen Kontrast setzen kann."

Das ist Ansichtssache, sechs Naps am Tag empfinde ich als sehr große Erholung. Ein Spieleabend mit Freunden und Famile, schaffende Kunst, wissenschaftlich arbeiten. Das alles und vieles mehr sind für mich Erholung und alles mit polyphasischem Schlaf machbar. Manches auch nur dadurch, weil man erst so die Zeit dafür hat.
Ich denke aus diesem Grund ist polyphasischer Schlaf ein Werkzeug der großen Macher der Weltgeschichte. Solche arbeiten der Arbeit wegen und für ein höheres Ziel und nicht etwa für Geld oder gute Noten. Und dafür ist der polyphasische Schlaf gedacht, das hat unser Student nicht verstanden.


Weitere Infos darüber wie polyphasischer Schlaf funktioniert gibs hier:

Polyphasischer Schlaf - Howto - Übersicht
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Update?!

Entschuldigt bitte, dass es lange kein Update gab. Ich hab superviel um die Ohren, im Moment stehen Kommunalwahlen bei uns an, bei denen ich antrete. Dann ist der Unistoff (Jura!) nicht gerade wenig  und zu allem Überfluss mache ich mich neben bei gerade Selbstständig. Arbeiten muss ich nebenbei auch, von irgendwas muss man ja leben. Andere Projekte, die ich eigentlich am Laufen habe kommen zu kurz, so auch leider dieser Blog, es fehlt mir einfach jede Minute. Ich hoffe aber, dass sich das stätestens zur Vorlesungsfreienzeit wieder legt und ich dann auch ein paar schöne Beiträge schreiben kann. 

Mit Everyman läuft es leider auch nur so halbwegs, ich versuche Naps zu machen, wenns geht und es tut auch verdammt gut dieses Instrument in der Hand zu haben, aber leider ist es mir nicht möglich wirklich das Schlafmuster einzuhalten, weil einfach so gut wie immer etwas dazwischen kommt. Das zwingt mich dann in der Nacht länger zu schlafen, als es für Everyman gut wäre.

Das ganze ist auch ein regelrechter Teufelskreis, denn der Stress macht mir das Aufstehen nicht einfacher. Es entsteht eine gewisse Demotivation, da ich manchmal das Gefühl habe von der Masse an Arbeit erschlagen zu werden. Da kann es schonmal sein, dass man einfach platt im Bett liegen bleibt, was natürlich in noch weniger Zeit resultiert. Der volle Terminplan hintert mich am Polyphasischen Schlaf, was viel Nachtschlaf bedeutet und wiederum weniger Zeit. Ich werd mir überlegen, wie ich das bewältigen kann und dann den ein oder anderen Artikel darüber schreiben.