Tipps effizienter zu lernen

"Wissen, das sich nicht täglich vermehrt, nimmt ab." -Chinesisches Sprichwort-


Im folgenden erkläre ich wie man besser Lernt, nicht wie man sich zum Lernen durchringt oder wie man Lernziele erreicht und seine Zeit einteilt. Dazu gibt es diesen Artikel: Zeitmanagement - 10 Tipps effizienter zu arbeiten


Um richtig, also effizient und effektiv zu lernen, muss man den Prozess des Lernens bzw. des Merkens verstehen. Im Gehirn gibt es einen Teil der Hippocampus genannt wird. Er ist ein Teil des limbischen Systems, also des ältesten Teils des Gehirns. Das limbische System steuert unsere ältesten Triebe und sichert so unser überleben. Wenn es drauf ankommt hört der Körper nur auf das limbische System und das Bewusstsein hat keinen Einfluss mehr. Es ist also nicht möglich das limbische System zu umgehen, es bleibt einem nur nach seinen Regeln zu leben.


Der Hippocampus erfüllt eine Art Torwächterfunktion. Er ist dafür zuständig zu entscheiden welche Information vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis übertragen werden. Dabei speichert er selbst keine Information. Ein Mensch dessen Hippocampi nicht mehr funktionieren, ist nicht mehr in der Lage neue Erinnerungen zu formen. Die alten bleiben in der Regel aber erhalten. Morbus Alzheimer ist ein Beispiel für eine solche Erkrankung.


Richtiges Lernen muss also an dieser zentralen Stelle ansetzen. Dazu muss man wissen nach welchen Kriterien der Hippocampus seine Entscheidungen trifft. Der Hippocampus lässt uns jede Information merken, die er für unser Leben als wichtig erachtet. Manche Lernmethoden zielen darauf ab dem Gehirn durch bloßes Wiederholen weiß zu machen eine Information sei merkenswert. Der Hippocampus lässt sich aber nicht Täuschen, denn er merkt natürlich als erstes, wenn sich der Lernende langweilt. Solche Methoden benötigen deshalb oft lächerlich viele Wiederholungen.


  • Emotionen
Informationen, die mit Emotionen verknüpft sind werden besonders gut gemerkt. Das kann Freude, Trauer, Wut oder Ähnliches sein. Um besser zu lernen sollte man sich zu Beginn genaue Gedanken machen warum man Dieses oder Jenes lernen will. Welche Vorteile bringt es uns und welche Wünsche werden wir uns damit erfüllen können. Sich Gedanken über mögliche negative Folgen zu machen können aber kontraproduktiv sein und sollten besser gelassen werden. Positives Denken macht das lernen angenehmer und effizienter.


  • Stressfrei lernen
Stress hat bekanntermaßen viele negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Das Gehirn ist davon besonders betroffen. Bei Menschen mit übermäßigem Stress kann sich der Hippocampus nicht richtig entwickeln. Ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit kann den Hippocampus fürs ganze Leben schädigen und zu einer Lernschwäche führen. Stress lässt sich zwar nicht immer verhindern, aber man kann lernen mit ihm richtig umzugehen. Autogenes Training, Meditation und Sport helfen bei der Stressbewältigung.


  • Unterhalten Sie den Hippocampus
Jeder weiß, dass Kinder spielerisch besonders gut lernen. Der Hippocampus mag es bunt. Visuelle Reize verbessern das Lernen und verknüpfen beide Gehirnhälften miteinander. Was den Hippocampus dagegen langweilt wird er nur schwer ins Langzeitgedächtnis durchlassen. Wenn uns das Lernen Spaß macht, lernen wir besonders gut. Der Hippocampus verknüpft die Informationen mit der Freude die wir dabei empfunden haben. Um diese Freude wieder erleben zu können, wird die Information gespeichert.


  • Textarbeit
Das Lesen eines Textes ist für den Hippocampus eine denkbar langweilige Erfahrung. Das lässt er uns spüren, indem wir manche Sätze immer wieder und wieder lesen müssen, bis wir wenigstens einen Teil verstanden haben. Den Inhalt eines einseitigen Textes zu behalten wird auf diese Art zu einem langwierigen Unterfangen, of gelingt es garnicht.


Um dem Hippocampus Anlass zu geben den Inhalt eines Textes für wichtig zu erachten, können wir einiges Tun. Makieren Sie Schlüsselwörter farbig und nutzen Sie dabei nicht nur eine Farbe, je bunter je mehr Spaß für den Hippocampus. Machen Sie sich auch kleine Randnotizen und überfliegen Sie den Text am Ende noch einmal, wobei Sie nur ihre markierten Wörter lesen. Wenn Sie anhand dieses Gerüsts den Inhalt des Textes nachvollziehen können, haben Sie die richtigen Wörter markiert. Sollten Sie einen Text nicht markieren dürfen, z.B. Bei einem Schulbuch, ist es ratsam die Schlüsselwörter auf einem Zettel nebenbei zu notieren. Es ist wichtig, dass Sie den passiven Lesevorgang mit etwas aktivem verbinden. Allem was Sie aufschreiben wird ihr Gehirn eine gewisse Wichtigkeit zusprechen und die Chance sich lange daran zu erinnern, ist höher, als beim bloßen Lesen. Anstatt eines nebenliegenden Zettels, können Sie auch eine transparente Folie verwenden, die Sie direkt auf ihren Text legen. Wenn Sie dabei wasserlösliche Stifte verwenden, können Sie die Folie immer wieder verwenden.


  • Mindmapping
Bei langen Texten ist es nötig eine übersichtliche Zusammenfassung zu gestalten. Um am Ende nicht vor noch einem Text zu sitzen, sollte diese kurz, übersichtlich und optisch ansprechend sein. Eine Mindmap erfüllt diesen Anspruch. Nutzen Sie einfach die zuvor markierten Wörter und erstellen Sie daraus eine Mindmap. Wenn Sie mehrere Texte über ein Thema bearbeiten, können Sie diese alle in einer Mindmap zusammenfassen. Das hilft ihnen nicht nur viele Details zu erfassen, sondern auch einen Überblick über das gesamte Thema zu behalten. Die kreative visuelle Komponente der Mindmap macht die Informationen auch unserem Gehirn schmackhaft, da beide Gehirnhälften angesprochen werden.


  • Clustering
Alles was den Hippokampus einmal passiert hat, wird bis zu unserem Tod aufbewahrt. Das Gehirn hat es nicht nötig alte Informationen zu löschen, denn seine Kapazität ist so unvorstellbar gewaltig, dass es niemals in einen Engpass geraten könnte. Vielmehr finden wir viele Erinnerungen einfach nicht wieder. Wir können uns das wie eine Computerfestplatte vorstellen, mit einer praktisch unendlichen Kapazität. Alle Daten, die der User einmal gespeichert, hat werden dort für immer bleiben, wenn sie nicht durch äußere Einflüsse zerstört werden, z.B. Alkohol. Obwohl diese Daten vorhanden sind, kann der Computer auf einige nicht zugreifen, weil sie aus seinem Index gelöscht wurden. Eine Suche ist aufgrund der Unendlichkeit der Plattengröße unmöglich. Die Daten sind also unbrauchbar. Beim Menschen ist dies ähnlich. Selbst bei der Alzheimer Krankeit kann sich der Kranke noch ohne Probleme an Jahrzehnte vergangene Dinge erinnern. Ihm ist es aber nicht möglich zu sagen was er gestern gegessen hat.


Unser Ziel ist es also nicht nur möglichst viele Informationen zu behalten, sondern Sie auch für möglichst lange Zeit nutzbar zu machen. Je mehr Verknüpfungen an eine Erinnerung gebunden sind, je wahrscheinlicher ist es, dass wir später eine davon wiederfinden. Man kennt das aus Filmen. Wenn Jemand an einem bestimmten Ort vorbeikommt, erinnert er sich auf einmal an Sachen, die schon lange verdrängt wurden.


Beim Clustering steht ähnlich wie bei der Mindmap ein Schlüsselwort im Mittelpunkt. Andere Schlüsselwörter werden nun mit diesem verknüpft. Wieder andere Wörter mit diesen usw. Mit der Zeit entsteht ein Netz. Denn jedes dieser Wörter lässt sich mit neuen verknüpfen. Wenn wir uns diese Verknüpfungen merken, haben wir mehrere Wege auf denen wir auf eine Information zugreifen können. Je mehr Themenbereiche so in Verbindung gerbacht werden können, und je abstrakter und kreativer die Verknüpfungen sind, je höher die Wahrscheinlichkeit sich auch in Stressituationen daran zu erinnern.


Optimaler Weise können sie das Clustering nach einiger Zeit in Gedanken vornehmen und verknüpfen jede Information ganz von alleine.


  • Zur richtigen Zeit lernen
Den besten Lernerfolg können Sie verzeichnen, wenn das Lernen, das Letzte ist, was Sie vor dem Schlafengehen tun. Vor dem Schlafen noch Fernzusehen oder sich anderweitig "auf andere Gedanken bringen" ist deshalb sehr Nachteilig. Es ist nämlich durchaus möglich die wichtigen Sachen mit belanglosem Müll zu verdrängen, mit dem uns das Fernsehen zu versorgen weiß. Denn obwohl die Kapazität des Langzeitgedächtnisses nahezu unbegrenzt ist, ist es die des Kurzzeitgedächtnisses nicht. Ein allabendliches Ausspannen vor der Flimmerkiste überschwemmt deshalb viele wichtige Informationen, die im Schlaf ins Langzeitgedächtnis übertragen werden sollten. Weil der Hippocampus bei so vielen schnellen bunten und lauten Bildern nicht mehr in der Lage ist wichtig von unwichtig zu unterscheiden.


Inzwischen konnte auch wissenschaftlich bestätigt werden, dass ein kurzer Schlaf am Mittag die Gedächtnisleistung erheblich verbessern kann. Man gibt dem Gehirn so die Chance im Kurzzeitgedächtnis Platz für den Rest des Tages zu schaffen. Eine Lernsession am Mittag, gefolgt von einem maximal 90 Minütigen Nickerchen und eine am Abend, ohne sich danach noch Abzulenken, sind optimal.   


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