Selbstdisziplin Erste Säule: Akzeptanz

Hier kommt meine Übersetzung des zweiten Teils der Selbstdisziplin Serie von Steve Pavlina. Das englische Original findet man hier:  Self-Discipline: Acceptance

Der erste Teil der Übersetzung ist hier: Selbst-Disziplin (Steve Pavlina - Fünf Säulen der Selbstdisziplin)

Die erste der fünf Säulen der Selbstdisziplin ist Akzeptanz. Akzeptanz bedeutet, dass Du die Realität exakt erfasst und bewusst erkennst, was das bedeutet und es annimmst.

Das scheint einfach und offensichtlich zu sein, aber in der Praxis ist es extrem schwierig. Wenn Du dauerhafte Schwierigkeiten in einem Lebensbereich hast, dann ist es Wahrscheinlich, dass die Wurzel des Problems darin liegt, dass Du die Realität nicht so akzeptierst, wie sie ist.

Warum ist Akzeptanz eine Säule der Selbstdisziplin? Der häufigste grundlegende Fehler den Menschen bei Selbstdisziplin machen, ist, dass sie falsch einschätzen wo sie gerade stehen. Im ersten Artikel habe ich eine Analogie zwischen Selbstdisziplin und Gewichtheben gemacht. Wenn man beim Gewichtheben erfolgreich sein will, ist der erste Schritt herauszufinden, welche Gewichte man schon heben kann. Wie stark bist Du im Moment? Solange Du nicht genau weißt wo du gerade stehst kannst Du dein Training nicht anpassen.

Wenn Du nicht bewusst festgestellt hast, wo Du stehst, ist es unwahrscheinlich, dass Du Dich in diesem Bereich überhaupt verbesserst. Stell Dir einen Möchtegern-Bodybuilder vor, der keine Ahnung hat, wie viel er heben kann und sein Trainingsplan willkürlich anpasst. Es ist praktisch sicher, dass die Gewichte immer entweder zu schwer oder zu leicht sind. Wenn sie zu schwer sind wird der Trainierende sie gar nicht heben können und seine Muskeln können nicht wachsen. Sind sie zu leicht, hebt er sie zwar mühelos, aber er setzt keinen Trainingsimpuls.

Wenn man sich ernsthaft verbessern will, muss man auch bei der Selbstdisziplin zuerst genau wissen wo man steht. Wie stark ist Deine Disziplin zurzeit? Welche Herausforderungen sind einfach für Dich und welche sind geradezu unmöglich?

Hier ist eine Liste mit verschiedenen Aufgaben, anhand derer Du überlegen kannst, wo Du stehst. Die Reihenfolge ist zufällig.


  • Nimmst Du jeden Tag ein Bad oder duschst?
  • Stehst Du jeden Tag zur gleichen Zeit auf? Auch am Wochenende?
  • Bist Du übergewichtig?
  • Bist Du nach etwas süchtig (Koffein, Nikotin, Zucker usw.) das du gerne ändern würdest, aber nicht hast?
  • Ist Dein Email-Posteingang im Moment leer?
  • Ist Dein Arbeitsplatz im Moment aufgeräumt und gut organisiert?
  • Ist Deine Wohnung im Moment aufgeräumt und gut organisiert?
  • Wie viel Zeit verschwendest Du im Schnitt pro Tag? Wie viel am Wochenende?
  • Wenn Du jemandem ein Versprechen gibst, wie hoch ist die Chance, dass du es hältst?
  • Wenn Du Dir selbst ein Versprechen gibst, wie hoch ist die Chance, dass du es hältst?
  • Könntest Du einen Tag fasten?
  • Wie gut ist Deine Computer Festplatte aufgeräumt?
  • Wie oft treibst Du Sport?
  • Was war Deine größte körperliche Herausforderung, wie lange ist sie her.
  • Wie viele Stunden kannst Du pro Tag konzentriert arbeiten?
  • Wie viele Punkte auf deiner To-do-Liste sind älter als 90 Tage?
  • Hast Du klare schriftlich festgehaltene Ziele? Hast Du Pläne gemacht und aufgeschrieben um diese Ziele zu erreichen?
  • Wenn Du deinen Beruf verlieren würdest, wie viel Zeit pro Tag würdest Du investieren einen neuen zu suchen, wie lange würdest Du diesen Aufwand betreiben?
  • Wie viel Fernsehen guckst Du pro Tag? Könntest Du 30 Tage ohne Fernsehen auskommen?
  • Wie sieht dein Äußeres im Moment aus? Was sagt das über deine Disziplin aus? (Kleidung, wie gepflegt usw.)
  • Wählst Du dein Essen hauptsächlich nach gesundheitlichen Aspekten aus oder nach Geschmack aus?
  • Wann hast Du letztes Mal bewusst eine neue positive Gewohnheit angefangen? Wann eine negative Gewohnheit beendet?
  • Bist Du verschuldet? Würdest Du die Schulden als Investment oder Fehler ansehen?
  • Hast Du im Voraus geplant diesen Blog zu lesen, oder ist es einfach passiert?
  • Kannst Du jetzt schon sagen, was Du morgen machen wirst? Oder nächste Woche?
  • Auf einer Skala von 1-10, wie würdest du deine Selbstdisziplin einschätzen?
  • Wie viel mehr könntest Du erreichen, wenn Du bei der letzen Frage mit 9 oder 10 antworten könntest?


Genauso wie es unterschiedliche Muskelgruppen gibt, für die es verschiedene Übungen gibt, so gibt es auch Bereiche bei der Selbstdisziplin: Disziplinierter Schlaf, disziplinierte Ernährung, disziplinierte Arbeitsgewohnheiten, disziplinierte Kommunikation, usw. Man benötigt verschiedene Übungen für diese Bereiche.

Ich würde empfehlen einen Bereich auszuwählen, in dem man besonders schwach ist, feststellen und akzeptieren, wo man steht und dann ein Trainingsprogramm dafür auszuarbeiten. Fange mit leichten Aufgaben an, von denen Du weißt, dass Du sie schaffen kannst, und steigere Dich Stück für Stück.

Progressives Training funktioniert mit Selbstdisziplin genauso wie mit Muskeln. Wenn man kaum schafft, um zehn Uhr aus dem Bett aufzustehen; wie wahrscheinlich ist es, dass man es um fünf Uhr schafft?  Aber könnte es klappen um 9:45 Uhr aufzustehen? Sehr wahrscheinlich. Und wenn das geklappt hat, dann klappt sicher auch 9:30 oder 9,15 Uhr. Als ich anfing regelmäßig um 5 Uhr aufzustehen, hatte ich schon ein paar Tage zuvor damit angefangen. Meine normale Aufstehzeit war zwischen 6 und 6:30 Uhr. Der nächste Schritt war herausfordernt, aber innerhalb meiner Fähigkeiten.

Ohne Akzeptanz bekommt man entweder Ignoranz oder Verleugnung. Durch Ignoranz weiß man einfach nicht wie diszipliniert man ist - wahrscheinlich hat man nie darüber nachgedacht. Du weißt nicht, dass Du nichts weißt. Du wirst nur eine ungefähre Vorstellung haben. Du wirst einige Sachen sehr leicht erreichen und manchmal bei anderen kläglich scheitern. Du wirst die Aufgabe oder Dich selbst dafür verantwortlich machen, anstatt zu erkennen, dass das »Gewicht« einfach noch zu schwer war und Du erst noch stärker werden musst.

Wenn Du in einem Zustand der Verleugnung bist, was Deine Selbstdisziplin betrifft, dann bist Du gefangen in einer falschen Vorstellung. Du bist entweder einfach pessimistisch oder optimistisch was deine Fähigkeiten betrifft. Und so wie ein Sportler, der seinen eigenen Stand nicht kennt, wirst Du nicht besser werden, denn es ist unwahrscheinlich, die richtige Trainingsintensität durch Zufall zu finden. Wenn man es pessimistisch sieht, kann es auch sein, dass Du nur die leichten »Gewichte« nimmst, und den schweren ausweichst, die Dich nach vorne bringen würden. Wenn man es optimistisch sieht, kann es auch sein, dass Du versuchst, Gewichte zu heben, die zu schwer sind, danach macht man sich entweder selber fertig oder nimmt sich vor es nächstes mal noch härter zu versuchen. Aber auch das bringt einen nicht weiter.

Ich selbst habe einen erheblichen Nutzen daraus gezogen, meine Selbstdisziplin zu entwickeln. Als ich 20 Jahre alt war, lebte ich in einem kleinen Appartement, geschlafen habe ich von 4 Uhr nachts bis 13 Uhr. Habe viel Fast- und Junkfood gegessen. Sport habe ich nicht gemacht, nur hin und wieder einen langen Spaziergang. Die Post zu holen schien schon eine Leistung zu sein und der Höhepunkt meines Tages war mich mit Freunden zu treffen. Am Ende des Monats konnte ich mich nicht an viele besondere Ereignisse erinnern. Ich hatte keinen Job, kein Auto, kein Einkommen, keine Ziele, keine Pläne,  und keine richtige Zukunft. Ich hatte nur das Gefühl, viele Probleme zu haben, die nicht besser wurden. Mir fehlte das Gefühl, Kontrolle über meinen Werdegang zu haben. Ich wartete einfach auf Dinge und reagierte auf sie.

Endlich stellte ich mich der Realität, ich konnte meine Leben nicht einfach aussitzen. Wenn ich etwas erreichen wollte, musste ich etwas dafür tun. Das bedeutete, zuerst einige schwierige Probleme anzugehen, aber ich bewältigte sie und wurde in kurzer Zeit viel stärker.

Wenn man nun mein Leben 14 Jahre später betrachtet, ist es wie Tag und Nacht. Ich stehe jeden Tag um 5 Uhr morgens auf. Treibe sechs Tage die Woche Sport. Ich esse ausschließlich vegan, mit viel frischem Gemüse. Mein Heimbüro ist gut organisiert. Mein Briefkasten und mein E-Mail-Posteingang sind beide leer. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und lebe in einem schönen Haus. Auf meinem Schreibtisch steht ein Hefter mit meinen Zielen und detaillierten Plänen, diese zu erreichen. Und viele meiner Jahresziele habe ich schon erreicht. Ich war mir nie klarer darüber, was ich will und ich tue, was ich liebe. Und ich weiß, dass etwas bewege.
Nichts davon ist einfach so passiert, ich habe es bewusst angestrebt. Und es ist sicher auch nicht über Nacht passiert. Es hat viele Jahre harter Arbeit gekostet und es ist immer noch harte Arbeit, aber ich habe mich weiterentwickelt und Dinge, die früher unerreichbar für mich waren, sind heute einfach. Das bedeutet, ich kann viel größere Herausforderungen angehen und somit noch Größeres erreichen. Wenn ich versucht hätte alle diese Dinge vor vierzehn Jahren zu schaffen, wäre ich kläglich gescheitert. Der zwanzig Jährige Steve wäre nicht fähig gewesen damit klar zu kommen, nicht für einen Tag. Aber für den 34-Jährigen Steve ist es einfach. Wirklich spannend ist, wenn ich mir vorstelle, was der 48-Jährige Steve fähig sein wird zu erreichen... immer relativ zu meinem Lebensweg, nicht im Allgemeinen.

Ich sage Dir diese Sachen um Dich zu beeindrucken. Aber nicht mit mir, sondern mit Dir selbst. Ich will Dich damit beeindrucken, was Du erreichen kannst in den nächsten fünf bis zehn Jahren, wenn du Schritt für Schritt deine Selbstdisziplin aufbaust. Es wird nicht einfach sein, aber es ist es wert. Der erste Schritt ist zu akzeptieren wo Du gerade stehst, ob es Dir gefällt oder nicht. Mit diesen Dingen musst Du arbeiten, vielleicht ist das nicht fair, aber es ist eben so. Du wirst nicht stärker werden, wenn Du das nicht akzeptierst.



Selbst-Disziplin (Steve Pavlina - Fünf Säulen der Selbstdisziplin)


Ich arbeite schon einige Zeit an einer Artikelserie über Selbst-Diziplin, aber sie ist noch nicht fertiggestellt, deswegen gibt es erstmal meine Übersetzung von einer Artikelserie, die Steve Pavlina zu diesem Thema geschrieben hat. Ich finde sie ist sehr gut gelungen und bietet für viele Besucher hier sicher einen Nutzen.
Hier ist der englische Artikel von Steve Pavlina -Self-Discipline.
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Die fünf Säulen der Selbstdisziplin

Die fünf Säulen der Selbstdisziplin sind: Akzeptanz, Willenskraft, harte Arbeit, Fleiß und Durchhaltevermögen. Wenn man im Englischen die ersten Buchstaben der Wörter nimmt, ( Acceptance, Willpower, Hard Work, Industry, Persistence.) bekommt man das Akronym: »A WHIP« (eine Peitsche) - eine gute Methode sie sich zu merken, denn viele Menschen verbinden Selbstdisziplin damit, sich mit einer Peitsche in Form zu bringen.

In jedem Artikel dieser Serie wird eine andere Säule behandelt. Und es wird erklärt, warum es so wichtig ist, dass und wie man Selbstdisziplin entwickelt. Als erstes gibt es eine allgemeine Übersicht...

Was ist Selbstdisziplin?

Selbstdisziplin ist die Fähigkeit sich selbst dazu zu bringen etwas zu tun, egal wie man sich fühlt.

Überlege einmal, was Du erreichen könntest, wenn du Dich einfach dazu bringen könntest, deinen besten Vorsätzen zu folgen, egal was passiert. Stell Dir vor Du sagst zu deinem Körper: »Du hast Übergewicht, verliere 10 Kilo.« Ohne Selbstdisziplin wird dieser Vorsatz nicht realisiert. Aber mit ausreichend Selbstdisziplin ist es so gut wie erledigt. Die Spitze der Selbstdisziplin ist, wenn Du einen Punkt erreichst, an dem du eine Entscheidung triffst und es praktisch garantiert ist, dass Du durchhalten wirst.

Selbstdisziplin ist eines von vielen Werkzeugen in der Persönlichkeitsentwicklung. Es ist natürlich kein Allheilmittel. Aber viele wichtige Probleme lassen sich durch Selbstdisziplin lösen, auch wenn es andere Wege gibt, diese Schwierigkeiten zu lösen, werden sie von Selbstdisziplin komplett beseitig. Selbstdisziplin kann Dir die Kraft geben, jede Sucht zu überwinden oder jedes beliebige Gewicht zu verlieren. Es kann Prokrastination, Unordnung und Ignoranz beseitigen. Innerhalb der Angelegenheiten, die durch Selbstdisziplin zu lösen sind, gibt es nicht Besseres. Darüber hinaus kann sie gut mit anderen Instrumenten wie Leidenschaft, Goal-Setting und Planung kombiniert werden.

Selbstdisziplin aufbauen.

Meine Philosophie wie man Selbstdisziplin aufbaut, ist am besten mit einer Analogie zu erklären. Selbstdisziplin ist wie ein Muskel. Je mehr Du ihn trainierst, desto stärker wirst Du. Je weniger Du trainierst, desto schwächer.

So wie alle Menschen unterschiedlich ausgeprägte Muskeln haben, so besitzt auch jeder eine anders ausgeprägte Selbstdisziplin. Jeder hat ein bisschen. Wenn Du deinen Atem für ein paar Sekunden anhalten kannst, verfügst du über etwas Selbstdisziplin. Aber nicht jeder hat seine Selbstdisziplin in gleichem Maße entwickelt.

Genauso wie man Muskeln benötigt um weitere Muskeln aufzubauen, so benötigt man Selbstdisziplin um Selbstdisziplin weiter zu entwickeln.

Das funktioniert genauso wie beim Muskelaufbau. Man hebt immer Gewichte, die nahe am persönlichen Limit sind. Man bleibt aber innerhalb der eigenen Fähigkeiten, nicht zu leicht und nicht zu schwer. Damit treibt man die Muskeln soweit, bis sie versagen, dann ruht man sich aus.

Ähnlich ist die Standardmethode für Selbstdisziplin. Man nimmt Herausforderungen in Angriff, die man noch schaffen kann, die aber nahe am Limit sind. Das bedeutet nicht, dass man etwas zu Schwieriges immer wieder versucht und Mal für Mal scheitert.
Es heißt auch nicht, dass man innerhalb der Komfortzone bleibt. Man wird nicht stärker, wenn man versucht ein Gewicht zu heben, was zu schwer ist und auch nicht, wenn man ein viel zu leichtes Gewicht nimmt. Man muss mit Gewichten/Herausforderungen anfangen, die innerhalb der eigenen Fähigkeiten liegen, aber dicht am Limit.

Progressives Training bedeutet, sobald man es einmal schafft, das nächste mal die Schwierigkeit erhöht. Wenn Du immer mit den gleichen Gewichten trainiertest, würdest Du nicht stärker werden. Es ist genauso, wenn Du Dich im Leben nicht herausforderst, deine Selbstdisziplin kann, sich als Folge nicht weiterentwickeln.

So wie die meisten Menschen sehr schwache Muskeln haben, im Vergleich zu dem, wie stark sie sein könnten, so verfügt die Mehrheit über eine völlig unentwickelte Selbstdisziplin.

Beim Bestreben Selbstdisziplin zu entwickeln wäre es ein Fehler zu übertreiben. Wenn Du versuchst, dein Leben über Nacht zu ändern und duzende Ziele setzt und davon ausgehst diese nun strikt zu verfolgen, dann ist das sicher zum Scheitern verurteilt. Das ist das gleiche, als wenn jemand das erste mal ins Fitnessstudio geht und sich 150kg auflegt, man sieht nur lächerlich aus.

Wenn Du nur 5kg heben kann, dann kannst Du eben nur 10kg heben. Es ist keine Schande dort anzufangen, wo Du stehst. Ich erinnere mich, als ich vor einigen Jahren begann mit einem persönlichen Trainer zu arbeiten. Bei meinem ersten Versuch konnte ich beim Schulterdrücken nur eine 3,5-kg-Hantelstange ohne Gewichte hochziehen. Meine Schultern waren schwach, weil ich sie nie trainiert habe. Aber nach ein paar Monaten waren es 30kg.

Wenn Du undiszipliniert bis, ist es ähnlich, Du kannst nur die Selbstdisziplin nutzen, die Du schon besitzt, um mehr zu bekommen. Je disziplinierter Du wirst, desto einfacher wird dein Leben. Herausforderungen, die einst unmöglich für Dich erschienen, werden, ein Kinderspiel sein. Wenn Du stärker wirst, werden die gleichen Gewichte immer leichter und leichter erscheinen.

Vergleiche Dich nicht mit anderen Menschen, das wird nicht helfen. Du wirst nur finden, was Du erwartest. Wenn Du denkst, dass du schwach bist, dann wird jeder andere stark erscheinen. Denkst Du du bist stark, dann wird jeder anderes schwach erscheinen. Es ergibt keinen Sinn, das zu tun. Betrachte nur, wo Du heute stehst, und setze Dir zum Ziel besser zu werden.

Lass uns ein Beispiel betrachten.  

Nehmen wir an, Du willst die Fähigkeit erhalten acht Stunden am Tag zu arbeiten, ohne Dich ablenken zu lassen, weil Du weist, dass das einen Vorteil in deiner Karriere bringen wird. Heute Morgen habe ich in einem Audio Programm eine Studie gehört, nach der ein normaler Büroarbeiter 37% seiner Zeit mit sozialen Kontakten verbringt, ohne zu arbeiten. Darüber hinaus kommen noch andere Laster die mehr als 50% der Arbeitszeit ausmachen, in der auch nicht gearbeitet wird. Es ist also Raum für Verbesserungen.

Wenn Du beginnst, versuchst Du vielleicht volle acht Stunden durchzuarbeiten, ohne Dich ablenken zu lassen. Du schaffst es ein Mal. Am nächsten Tag scheiterst Du kläglich. Das ist ok, du hast eine Wiederholung mit 8 Stunden geschafft. Zwei Wiederholungen sind zu viel für Dich. Also nimm Dich ein wenig zurück. Wie lange könntest Du am Stück arbeiten, um fünf Tage/Wiederholungen zu schaffen? (Also eine Arbeitswoche.) Wärst Du in der Lage eine Stunde konzentriert zu arbeiten, fünf Tage hintereinander? Wenn Du das nicht tun kannst, nimm 30 Minuten, oder was für Dich geeignet ist. Wenn Du das schaffst, oder es sich zu leicht anfühlt, dann erhöhe die Herausforderung.

Wenn Du eine Woche auf einem Niveau geschafft hast, mache die nächste Woche ein wenig mehr. Mache mit diesem progressiven Training weiter, bis Du dein Ziel erreichst.


Auch wenn Analogien nie perfekt sind, so hat mich diese weit gebracht. Die Latte jede Woche nur ein wenig höher anzulegen ermöglicht es, in den eigenen Möglichkeiten zu bleiben und immer ein wenig besser zu werden. Einen Unterschied zum Muskeltraining gibt es aber, wenn man Gewichte hebt, zählt die tatsächliche Arbeit die man macht nichts. Es liegt kein Vorteil darin ein Gewicht hoch und runter zu heben- der Vorteil liegt darin, dass die Muskeln wachsen. Bei Selbstdisziplin jedoch hat man einen Vorteil durch die Arbeit, die man im Training gemacht hat. Damit ist das also noch besser. Es ist großartig, wenn durch das Training etwas Wertvolles geschaffen wird und es dich gleichzeitig leistungsfähiger macht.

In den nächsten Artikeln werden wir tiefer in die fünf Säulen der Selbstdisziplin eintauchen.

Dies ist der erste Teil einer sechsteiligen Serie.

Teil 2: Selbstdisziplin Erste Säule: Akzeptanz

Das Ende der 10.000 Stunden Regel

In dem Buch: "Outliers: The Story of Success" hat Malcom Gladwell die bekannte 10.000 Stunden Regel aufgestellt. Diese besagt, dass alle extrem erfolgreichen Menschen in ihrem Bereich, mindestens 10.000 Stunden Übung hatten. Das soll auf Pianisten wie auch auf Programmierer gleichermaßen zutreffen. Auch die Wunderkinder, die scheinbar mühelos in jungen Jahren Phantastisches erreichen, sollen das durch Training erreicht haben. Das Buch wurde schon früher für seine Verallgemeinerung kritisiert. Doch nun könnte die 10.000 Stunden Regel ganz widerlegt sein.

In Outside online hat David Epstein über sein neues Buch "The Sports Gene: Inside the Science of Extraordinary Athletic Performance" gesprochen. Er beschäftigt sich damit, was großartige Sportler ausmacht. Ob sie so geboren sind oder ihr Können erworben haben. Gladwells Regel sein nicht repräsentativ und er selbst habe die Wissenschaftliche Arbeit noch nicht mal selbst gemacht, obwohl heute immer von Gladwells 10.000 Stunden Regel gesprochen wird. Die Forschungsarbeit stammt eigentlich von Anders Ericsson, der darstellen wollte, dass Menschen prinzipiell alle nötigen genetischen Voraussetzungen haben um zur Elite in jedem Bereich zu werden. Ericsson selbst soll gesagt haben, dass Gladwell seine Arbeit falsch dargestellt hat.

Die 10.000 Stunden Regel hält Epstein nur für einen Mittelwert. Wenn man zwei Sportler hat, der eine Trainiert nicht und der andere 20.000 Stunden und beide sind gleich gut, so kommt ein Mittelwert von 10.000 Stunden raus, der nichts darüber aussagt wie lange eine Mensch trainieren muss um überragend gut zu werden. Bei manchen dauert es eben länger, bei manchen geht es schneller.

Laut Epstein gibt es keine Formel für Großartigkeit. Jeder brauch ein anderes auf ihn abgestimmtes Training, um optimale Ergebnisse zu erreichen. Wenn man nicht weiß welche Lern- oder Trainingsmethode für einen die richtige ist, soll man verschiedene Methoden ausprobieren und vergleichen, welche für einen persönlich am besten funktionieren. Das vollständige Interview von Outside Online findet man hier.


Ist Meisterschaft also nicht erworben, sondern angeboren?

Die 10.000 Stunden Regel wurde immer angeführt, wenn es darum ging, dass auch die großen Meister ihr Können verdienen mussten und es ihnen nicht in die Wiege gelegt wurde, wie oft von außenstehenden angenommen wurde. Doch kann das bestand haben, wenn ein Sportler 20.000 Stunden braucht um gerade so gut zu sein, wie ein anderer, der wenige Stunden trainiert hat? Ja, natürlich hat das trotzdem bestand. Es gibt sicherlich Bereiche in denen angeborenes Talent eine größere Rolle spielt, als in anderen. In der Musik gibt es immer wieder Wunderkinder, aber wie viele Wunderkinder Geschäftsleute gibt es, oder Politiker, Ärzte, Schriftsteller, Physiker und viele mehr? Ich habe noch nie jemanden hören: "Der Junge ist ein geborener Poet." Auch wenn es manche sicher einfacher haben als andere. Grundsätzlich sind alle Felder, die besonderes Wissen, Erfahrung und Verständnis erfordern resistenter gegen Wunderkinder, währen Bereiche die mehr körperliche Voraussetzungen haben, wie Geschicklichkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer immer wieder Wunderkinder präsentieren. Wenn man in einem Rollstuhl sitzt kann man selten Bergsteiger werden, aber der größte Physiker unserer Zeit hat gezeigt, dass man sogar ohne funktionierenden Körper erheblichen und bedeutsamen Einfluss auf die Welt nehmen kann. Wenn es um das Gehirn geht ist das menschliche Potenzial so unermesslich groß, dass jeder die Voraussetzungen für wirklich großartiges in sich trägt und nichts anderes wollte Ericsson aussagen und damit lag er, damals wie heute, richtig.